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Ein Vorhang aus Pflanzen zieht sich vertikal über die Fassade. Dieses Bild empfängt die Besucher bei ihrer Ankunft im LHUB. Kein rein dekorativer Akzent, sondern eine programmatische Geste: Noch bevor man die Schwelle überschreitet, tritt das Gebäude in einen Dialog mit der umgebenden Landschaft — einer vulkanischen, von geologischer Geschichte geprägten Region mit dem Ätna im Hintergrund. Nur wenige Augenblicke genügen, um zu erkennen, dass dieser Ort sich nicht überstürzt offenbart.

Darin liegt vielleicht seine erste Qualität: In einer Welt, die uns ständig zum Ankommen drängt, lädt LHUB zum Verweilen ein.

LHUB löst sich von den etablierten Konventionen klassischer Veranstaltungsräume und versteht sich als multifunktionales Zentrum, das Verbindungen und Erlebnisse schafft und zugleich die sizilianische Region in den Mittelpunkt rückt. Ein Ort, der unterschiedliche Funktionen in einer klaren Identität vereint und im Laufe des Tages sein Gesicht verändern kann, ohne an Kohärenz zu verlieren: Am Morgen findet hier ein internationales Meeting statt, wenige Stunden später ein informelles Gespräch bei einem Kaffee und am Abend ein Business-Event.
Menschen, Rhythmen und Lichtstimmungen wechseln, doch der Raum funktioniert stets mit derselben Selbstverständlichkeit.


Hinter dem Eingang entfaltet sich der Innenraum in seiner ganzen Weite. Das Erdgeschoss ist als großzügige offene Fläche angelegt und wird von einer Decke aus dreidimensionalen geometrischen Modulen geprägt. Ihre luftige, überraschende Textur setzt einen markanten Kontrapunkt zur Neutralität der vertikalen Flächen. Dieses Element verleiht dem Raum seinen Rhythmus und lenkt den Blick auf die beiden Pole dieser Ebene: den Loungebereich und den Konferenzsaal.

Im Zentrum des Baukörpers erhebt sich, wie ein skulpturales Element, das die Zirkulation organisiert, ohne sie zu unterbrechen, der mit Glasplatten verkleidete Aufzugsschacht, umschlossen von einer dunklen, kontrastierenden Struktur, die auch die Treppe aufnimmt.

Im weitläufigen Loungebereich des Erdgeschosses gliedern Sitzinseln den Raum, ohne sich zu überlagern. Zwischen ihnen bleiben Freiräume für Bewegung und Begegnung. Die Gestaltung lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Formen und Charaktere: Geschwungene, großzügig gepolsterte Sofas in elfenbeinfarbenem Bouclé treffen auf Sessel mit kantigeren Silhouetten und kräftigeren Farbtönen. Couchtische aus hell geädertem Marmor wechseln sich mit dunklen Untergestellen ab und bringen mineralische Akzente ein, welche die weiche Anmutung der Textilien ausbalancieren. Kein Element dominiert das andere — Koexistenz wird zum kompositorischen Prinzip. So entsteht ein Raum, der sich selbstverständlich durchqueren lässt, ohne sich jemals aufzudrängen.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Megaron, der große Konferenzsaal. Die in Reihen angeordneten Sitzplätze zeichnen sich durch Pastelltöne aus, die dem funktionalen Raum eine leichtere Anmutung verleihen, ohne seine Funktionalität zu beeinträchtigen. Neben dem zentralen Kern mit dem Aufzugsschacht ist eine schallisolierte Kabine eingelassen — eine kleine Architektur innerhalb der Architektur, die das Raumkonzept ergänzt, ohne das visuelle Gleichgewicht des Ganzen zu stören.

Die Treppe führt in ein Geschoss, dessen Atmosphäre sich subtil verändert. Die Räume wirken hier zurückgezogener und besitzen eine klarer definierte Identität. Die drei Meetingräume — Pyr, Aer und Chronos — öffnen sich mit Glaswänden zum Korridor, deren wellenförmige Motive in Blattgold ausgeführt sind und das verbindende grafische Zeichen dieser Ebene bilden. In jede Glasfläche sind der Name des Raumes und eine Beschreibung seiner Funktion eingelassen, sodass sich die Besucher bereits vor Beginn der Besprechung orientieren können. Alle drei Räume sind vom Ätna inspiriert — von seinem Feuer, seiner Luft und seiner geologischen Zeit. Der Vulkan, der hinter den Glasfronten sichtbar wird, erscheint damit nicht nur als Kulisse des Projekts, sondern als identitätsstiftendes Element des gesamten Entwurfs.


Der Loungebereich im Obergeschoss vermittelt hingegen eine intimere Atmosphäre. Ein langes modulares Sofa aus tiefbraunem Stoff erstreckt sich entlang der Wand, während dunkle runde Tische und leichte Sitzmöbel in Grau- und Beigetönen in einer freien, beinahe dialogischen Anordnung im Raum verteilt sind. Weiter hinten markieren hohe Lederhocker den Übergang zwischen Lounge und Terrasse: einen Zwischenraum, in dem man innehält und den Blick bereits nach draußen richtet.

Auf der Außenterrasse bildet der mit Lavasteinplatten verkleidete Bartresen vor einer Wand aus vertikalen, hinterleuchteten Lamellen den Mittelpunkt des Raumes. Tische und Sitzmöbel schaffen Raum für Pausen, Kaffee und informellen Austausch, während Sofas und Poufs einen entspannteren Bereich zum Verweilen und für Gespräche bilden. Bei Nacht erzeugt die Hinterleuchtung des Tresens eine zurückgezogene Stimmung und verwandelt die Terrasse von einem Ort der Geselligkeit in einen intimen, beinahe entrückten Raum.

Von der begrünten Eingangswand bis zum Lichtschein der Terrasse folgt LHUB einer konsequenten Dramaturgie: Der Raum gibt keine festgelegte Identität vor, sondern entwickelt sie aus der Abfolge der Bereiche, den Materialien und dem Licht. Jede Umgebung erfüllt eine konkrete Funktion — arbeiten, sich begegnen, innehalten, nachdenken —, ohne dabei auf die
Qualität der sinnlichen Wahrnehmung zu verzichten. Darin liegt vielleicht die vollständigste Bedeutung des Projekts: ein Ort, dessen Wert sich weder an seiner Effizienz noch an der Summe seiner Räume bemisst, sondern an seiner Fähigkeit, den Wunsch zu wecken, länger zu bleiben.
Wir planen Räume, wir finden Lösungen, wir gestalten Umgebungen, die Bestand haben. Erfahren Sie mehr über unseren Design-Service und wie wir Sie dabei unterstützen können.