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3. September 2026
Vom ersten Entwurf Verner Pantons aus dem Jahr 1959 bis zur neuen, von den Handwerkern bei Vitra gefertigten Goldoberfläche – limitiert auf 999 Exemplare.
Ein roter Faden zieht sich durch einen bedeutenden Teil der experimentellen Auseinandersetzung mit dem Sitzmöbel im 20. Jahrhundert: der Versuch, den Stuhl von seiner Aufteilung in einzelne Bestandteile — Rückenlehne, Sitzfläche, Beine — zu befreien und ihn als eine einzige, durchgehende Geste neu zu formen. Diese Ambition steht hinter den ersten Freischwingern der späten 1920er-Jahre. Sie prägt auch Eero Saarinens Idee Mitte der 1950er-Jahre, mit der Pedestal-Serie das Gewirr von Tisch- und Stuhlbeinen zu beseitigen und dem Sitzmöbel die Einheit eines einzigen Elements zurückzugeben. Und genau dieses Ziel veranlasst Verner Panton 1959 dazu, einen Freischwinger aus einem einzigen Stück Polymer zu entwerfen.

Diese Ambition stößt jedoch auf die industriellen Gegebenheiten der damaligen Zeit: Mehrere Hersteller lehnen das Projekt ab — teils aus technischer Skepsis, teils, weil sie den Entwurf schlicht für nicht realisierbar halten. 1963 kommt es zur Begegnung mit Vitra, doch auch damit ist das Problem zunächst nicht gelöst. Die von Panton erdachten Formen mit den Grenzen der damaligen Kunststofftechnologie in Einklang zu bringen, bleibt eine nahezu unmögliche Herausforderung und erfordert jahrelange Prototypenentwicklung, bevor der Stuhl 1967 vorgestellt werden kann. Die Resonanz ist unmittelbar: Die Panton Chair sorgt von Beginn an für Aufsehen und wird vielfach ausgezeichnet. Die ursprüngliche Version mit hochglänzend lackierter Oberfläche wird bis heute unter dem Namen Panton Chair Classic produziert.
In diese Kontinuität — sowohl der Form als auch der über Jahrzehnte fortgesetzten Produktion — fügt sich die neue Limited Edition ein. 2026 präsentiert Vitra in Abstimmung mit der Verner Panton Design AG die Panton Chair Classic Gold: nicht als bloße Farbvariante, sondern als Neuinterpretation, die den Schwerpunkt des Entwurfs von der Form auf die Materialität verlagert. Während das ursprüngliche Design die Kontinuität der Linie auslotete, steht hier die Kontinuität des Lichts im Mittelpunkt. Die goldene Oberfläche überzieht das Volumen nicht einfach, sondern lässt es in Reflexionen aufgehen, die die Umgebung aufnehmen und zurückwerfen. So erscheint der Stuhl weniger als Gegenstand denn als optische Präsenz.
Dieser Übergang von der Form zur Materialität ist folgerichtig auch der Punkt, an dem der Entwurf die größte handwerkliche Präzision verlangt. Der Herstellungsprozess bis zum fertigen Ergebnis umfasst mehrere Schritte, die zu einem großen Teil von Hand ausgeführt werden: Die Polymerschale erhält schrittweise mehrere metallische Schichten — zunächst eine spiegelnde Oberfläche auf Basis einer silbernen Grundierung, anschließend die eigentliche Vergoldung. Jedes Exemplar wird danach einzeln vollendet und kontrolliert, bevor es die Produktion verlässt. Gerade diese unter dem Gold verborgene Grundierung macht deutlich, dass die Oberfläche weniger als Farbton denn als vielschichtiger Aufbau zu verstehen ist, der nicht allein Farbe, sondern vor allem Tiefe erzeugt.
Die limitierte Auflage der Serie — 999 im Jahr 2026 gefertigte Exemplare — ist daher nicht nur eine quantitative Angabe, sondern die unmittelbare Folge dieses Ansatzes: Ein teilweise von Hand ausgeführter Prozess eignet sich naturgemäß nicht für eine vollkommen gleichförmige Wiederholung. Jeder Stuhl trägt die Zeit seiner Herstellung in sich, und diese wird in der Qualität der Oberfläche sichtbar, noch bevor sich seine Besonderheit über die Seltenheit der Edition definiert.