Entdecken Sie unseren E-Shop und unseren digitalen Katalog mit über 40.000 Designprodukten.
Zum online ShopVon der Inspiration bis zur Umsetzung. Entdecken Sie das Mohd Interior Design Studio
2. Oktober 2026
Zwischen Neuheiten, Neuauflagen und Aktualisierungen kreist Home Stories for Winter 2026 um eine Idee: Komfort als Einklang von Körper und Struktur.
Mit Home Stories for Winter 2026 zeigt Vitra eine Auswahl von Neuheiten, Archiv-Neuauflagen und Aktualisierungen, bei denen der Körper der eigentliche Bezugspunkt ist. Viele der diesjährigen Projekte gehen von einer präzisen Frage aus: Wie soll sich ein Möbelstück verhalten, wenn die Person, die es nutzt, sich bewegt, die Position wechselt, sich fallen lässt oder wieder aktiv wird?
Bei den Sitzmöbeln führt die Antwort über die Bewegung. Komfort ist nicht länger eine Vorgabe, der man sich fügen muss, sondern entsteht zwischen Struktur und Mensch, ein Einklang, der Geste für Geste wächst.

Um Bewegung geht es auch bei Bascule, dem Sessel von Studio Œ, dem Berliner Duo aus Anne-Sophie Oberkrome und Lisa Ertel, das seit 2025 mit Vitra zusammenarbeitet. Der Name, französisch für „Wippe“, verweist auf einen Mechanismus, der unter Polsterung und Bezug verborgen liegt, sich selbstständig auf das Körpergewicht einstellt und die Sitzenden von der aufrechten Haltung bis in eine tiefe, fast waagerechte Neigung begleitet. Das interessanteste Detail ist jedoch die Hülle: weit geschnitten und wie eine Jacke gedacht, umhüllt sie das Gestell. Die beiden Designerinnen haben Schnitttechniken aus der Mode übernommen, die für bequeme Kleidung entwickelt wurden und die Bewegung nicht einschränken. Der Stoff darf Falten werfen und sich leicht kräuseln – natürliche Spuren einer weichen Polsterung. In der zweifarbigen Version setzen sich Innen- und Außenseite der Rückenlehne durch zwei Töne voneinander ab. Die Familie umfasst Highback, Lowback, Ottoman und Bench.
In Mynt Soft von Erwan Bouroullec setzt sich die Bewegung fort: 2026 überträgt er den patentierten Mechanismus der Mynt-Familie auf Loungemöbel. Unter dem Sitz verborgen, reagiert dieser auf das Körpergewicht und neigt die Sitzfläche nach vorn oder hinten, unabhängig von der Rückenlehne. Der Widerstand passt sich dabei der Person an. Auf einem höhenverstellbaren Drehfuß wird aus dem niedrigen, entspannten Sessel ein Sitzmöbel für den Ess- oder Arbeitstisch. Bouroullec wollte nach eigenen Worten ein Objekt schaffen, das funktioniert und zugleich einlädt, für jede Person, jede Aufgabe und jeden Moment. Dieselbe Logik zeigt sich bei Mynt High, der Variante in Tresenhöhe, und bei der neuen Familie Mikado von Edward Barber und Jay Osgerby, deren Rückenlehne sich in den Versionen Low und High leicht nach hinten neigt und so jede Bewegung mitgeht.
Während Bascule und Mynt Soft an der Weichheit der Geste arbeiten, bildet Antony mit seiner Struktur den Kontrapunkt. Jean Prouvé, der sich stets als Ingenieur verstand, entwarf ihn für die Cité Universitaire in Antony bei Paris. Nach dem Wettbewerb zur Ausstattung von 150 Zimmern, damals dem größten Studentenwohnheim Europas, nahmen die Ateliers Jean Prouvé die Produktion auf.
Das Metallgestell ist ein Lehrstück konstruktiver Logik: Eine Rohrquerstrebe stabilisiert die Beine, zwei Blechhalter tragen die Sitzschale aus Sperrholz. Antony war der erste Stuhl in der Sammlung des Vitra Design Museums: Rolf Fehlbaum brachte das Originalmodell 1984 aus Paris dorthin. Die limitierte Edition 2026 mit nummeriertem Etikett zeigt ihn ganz in Schwarz, mit Schale aus lackiertem europäischem Kastanienholz und tiefschwarzem Gestell. Die Maserung des Holzes mildert die grafische Klarheit des Schwarz und verleiht einem Entwurf von fast ingenieurhafter Strenge Wärme.
Auch der Panton Chair ging von einem präzisen Ziel aus: Verner Panton wollte einen Stuhl aus einem Stück, bequem und überall einsetzbar. Er war der erste Freischwinger aus festem Kunststoff, gefertigt aus einem einzigen Material. 1967 ging er in Produktion, 1968 wurde er in Köln der Öffentlichkeit vorgestellt. Panton war zeit seines Lebens von Spiegelflächen fasziniert und träumte schon in den 1970er Jahren von einer reflektierenden Version, denn er war überzeugt, dass sich seine dynamischen Kurven dafür eignen würden. Die kratzempfindliche Beschichtung ließ das damals jedoch nicht zu. Heute entsteht die Oberfläche durch Metallisierung: Metallpartikel werden in mehreren Lackschichten verteilt. Das Verfahren hält der leichten Eigenbewegung des Freischwingers stand und macht die Oberfläche weniger kratzempfindlich. Der Farbton ist ein warmes, helles Gold. Die Auflage ist auf 999 Stück limitiert.
Mit Panton Cubes wendet sich die Erzählung schließlich dem Bauen zu. Das 1974 entworfene System ist modular: Quadratische Rahmen werden zu Würfeln zusammengesteckt, mit Clips verbunden und durch farbige oder verchromte Paneele ergänzt, die Muster und Volumen entstehen lassen. Die Neuauflage, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Verner Panton Design AG, bietet Bausätze für eine Ente, einen Flamingo, eine Giraffe und eine Katze, in Duo-Tone- oder Chromvarianten, gefertigt aus recyceltem Post-Industrial-ABS. Der Fantasie sind jedoch, so Vitra, keine Grenzen gesetzt.