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6. Februar 2026
Designer und Ingenieur Victor Carrasco spricht über funktionsorientiertes Design, zeitlose Lösungen und Projekte mit Inbani, Vibia und Paola Lenti.
In seiner Arbeit schafft Victor Carrasco einen fließenden Dialog zwischen technischer Präzision und ästhetischer Sensibilität. Designer, Ingenieur und Unternehmer zugleich, beginnt er jedes Projekt mit einer grundlegenden Frage: Funktioniert es wirklich? Im Gespräch erzählt er von seiner Arbeitsweise, von Kooperationen mit renommierten Marken wie Inbani, Vibia und Paola Lenti sowie von seiner Auffassung dessen, was es heute bedeutet, langlebige Räume und Objekte zu entwerfen.
Interview in Englisch geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.
Wenn Sie ein neues Projekt angehen – ob Möbel, Interior oder Lighting – welche Prioritäten setzen Sie?
Zuallererst bin ich Ingenieur. Ein Design Engineer. Ästhetik ist selbstverständlich wichtig, aber die oberste Priorität ist immer die Gewissheit, dass ein Projekt funktioniert. Wir leben in einer Welt, in der Bilder eine enorme Rolle spielen. Doch gutes Design muss vor allem nützlich sein. Schönheit ohne Funktion ist fragil. Eine Lösung hingegen, die wirklich funktioniert, hat deutlich bessere Chancen, zeitlos zu werden.
Wie entstand die Zusammenarbeit mit Inbani und wie entwickelte sich die Kollektion Paral?
Ich kenne Inbani seit vielen Jahren. Wir sind Freunde, noch bevor wir Partner wurden. Diese Beziehung ermöglicht es uns, sehr tief in die Recherche einzutauchen. Heute reicht es nicht mehr aus, Dinge einfach gut zu machen. Dafür gibt es viele fähige Designer. Die eigentliche Frage ist: Was sollte man tun?
Bei Paral haben wir intensiv beobachtet, wie Menschen Räume nutzen, welche Gewohnheiten sie haben und welche Erwartungen der Premium-Markt mitbringt. Ziel war es, das Möbelstück auf natürliche Weise in den Badezimmerraum zu integrieren – fast wie ein architektonisches Element. Es geht nicht nur um Ästhetik, sondern um ganzheitliche Lösungen, die auf Dauer ausgelegt sind. Inbani arbeitet mit starken Persönlichkeiten, doch eine klare gemeinsame Linie macht den Dialog besonders produktiv.
Ein weiterer wichtiger Abschnitt Ihrer Laufbahn ist die Zusammenarbeit mit Vibia. Wie entstand das Projekt Out?
Vibia ist ein Unternehmen, das ich sehr gut kenne – auch durch meine Erfahrung mit Viccarbe, dem Unternehmen, das ich gegründet und vor zwei Jahren verkauft habe. Es ist eine Marke mit ausgeprägter Ingenieurskultur. Hier geht es nicht nur um neue Formen, sondern um ein tiefes Verständnis von Licht.
Beim Projekt Out haben wir eng mit dem technischen Team zusammengearbeitet, um eine Leuchte zu entwickeln, die sowohl im Innen- als auch im Außenbereich funktioniert. Im Outdoor-Design spielen nicht nur Sonne und Regen eine Rolle. Der Wind ist ein entscheidender Faktor. Die Herausforderung bestand darin, ein stabiles Objekt zu schaffen, das auch unter anspruchsvollen Bedingungen Balance und Leistung bewahrt. Das Ergebnis ist ein sehr reduziertes, klares Design, das auf fundierter ingenieurtechnischer Forschung basiert.
Sie bezeichnen sich selbst oft als Ingenieur „im Herzen“. Welche Rolle spielt Ästhetik dennoch in Ihrer Arbeit?
Eine sehr große. Schon als Kind haben mich Räume und Objekte stark geprägt. Mein persönlicher Geschmack ist klar, rational und reduziert. Doch heute, mit künstlicher Intelligenz und hyperrealistischen Renderings, kann jeder etwas scheinbar Perfektes zeigen. Ein Bild zu verkaufen ist einfach. Die Wahrheit zu verkaufen, ist deutlich schwieriger.
Die Wahrheit ist ein Objekt, das funktioniert. Ein gutes Projekt ist immer ausgewogen: schön, komfortabel und leistungsfähig. Ob Stuhl oder Leuchte – es muss exakt auf seinen Gebrauch reagieren. Die Suche nach einer zeitlosen Lösung ist für mich stets zentral.
Was brauchen Wohnräume und Interiors heute wirklich?
Vor allem Ehrlichkeit. Man sollte eine persönliche Recherche betreiben – fast eine Art Selbstanalyse –, um zu verstehen, was man tatsächlich braucht. Die größte Gefahr ist das Erbe: Wir kopieren, was wir aus den Wohnungen unserer Eltern kennen, aus dem Umfeld oder aus aktuellen Trends. Doch jeder Mensch hat sein eigenes Szenario, seine eigene Art, sich zu Hause zu fühlen. Komfort ist individuell. Bevor man Pinterest oder Magazine konsultiert, sollte man sich fragen: Was brauche ich jetzt, in diesem Moment meines Lebens?
Gibt es ein zukünftiges Projekt, über das Sie sprechen können?
Ich arbeite derzeit intensiv mit Paola Lenti zusammen – einer Persönlichkeit, die ich sehr schätze. Sie hat mich nicht nur als Designer, sondern auch als Mensch weitergebracht. Sie sagt oft, mein Design sei sehr maskulin, während ihr Unternehmen zutiefst feminin ist. Mit ihr zu arbeiten bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen.
Paola fordert einen in Bezug auf Sensibilität, Farbe und Materialität heraus. Das ist eine kontinuierliche Herausforderung, aber auch eine große Lernchance. Differenzierung entsteht nicht allein durch Form oder Funktion, sondern durch die Kultur eines Projekts. Und in dieser Hinsicht besitzt Paola Lenti eine wirklich einzigartige Vision.