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22. April 2026
Die Designerin präsentiert Loop, das neue Outdoor-Sofa für Ethimo, vorgestellt in Mailand während des Salone del Mobile 2026.
Zwischen künstlerischer Geste und Entwurf denkt Elena Salmistraro Objekte als Auslöser von Beziehungen und neuen Formen des Wohnens. Mit Loop, entworfen für Ethimo, wird das Sofa zu einer fließenden, hierarchiefreien Präsenz für den zeitgenössischen Outdoor. In diesem Gespräch erläutert sie den kreativen Prozess, den Dialog mit dem Unternehmen und die Rolle des Designs bei der Gestaltung neuer Formen der Geselligkeit.
Interview auf Italienisch geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.
Loop wird eher als „Organismus“ denn als Möbel beschrieben: Wie ist diese fließende, fast instinktive Sicht auf das Projekt entstanden?
Ich habe mich bewusst für den Begriff „Organismus“ entschieden, weil mein Entwurfsprozess eher eine Form des Entdeckens ist als ein Akt der Kontrolle. Ich definiere ungern alles im Voraus, sondern begleite das Projekt, während es wächst und Gestalt annimmt.
Ich beginne selten bei der Funktion. Im Gegenteil, ich versuche oft, den Blick zu verschieben, weg von dem, was bereits kodifiziert ist. Das hilft mir, neue Ideen zu entwickeln. Auch bei Loop war der Prozess sehr intuitiv, beinahe körperlich. Ich habe Formen verflochten und Farben überlagert, in Schichten gearbeitet – ähnlich wie beim Malen. Irgendwann hörten diese Kombinationen auf, bloße kompositorische Elemente zu sein, und begannen, etwas Eigenständiges zu suggerieren, fast so, als hätten sie ein eigenes Leben. Das Objekt wurde nicht konstruiert, sondern hat sich entwickelt. Die Fluidität war kein gesetztes Ziel, sondern das Ergebnis eines fortlaufenden Prozesses, in dem die Formen ihr Gleichgewicht fanden.
Das Sofa hebt die Unterscheidung zwischen Vorder- und Rückseite auf und lädt zu einer freien Nutzung ein: Wie wichtig war es, die relationalen Dynamiken im Außenraum neu zu denken?
Es war mir wichtig, ein Objekt ohne klare Ausrichtung zu entwerfen, ohne Vorder- oder Rückseite, das aus jeder Perspektive erlebt werden kann. Loop ist für offene Räume gedacht, in denen Grenzen verschwimmen und vieles bewusst undefiniert bleibt.
Im Gegensatz zu Innenräumen, in denen der Raum die Nutzung bestimmt, formt im Außenbereich das Objekt selbst die Umgebung. Es schafft Bewegungsfreiheit und erlaubt es, eine eigene Position zu finden. Das verändert die Dynamiken zwischen Menschen grundlegend: Es gibt keine festen Regeln mehr, wie und wo man sitzt. Das Sofa wird zu einer Art sozialem Labor, das Interaktion fördert und individuelle Aneignung ermöglicht.
In deinen Arbeiten ist oft eine starke skulpturale Komponente spürbar: Wie entwickelt sich in Loop der Dialog zwischen Form, Funktion und Narration?
Die skulpturale Dimension ist zentral für meine Arbeit, weil ich gerne Disziplinen überlagere. Bei Loop hat sich der Dialog zwischen Form, Funktion und Narration organisch entwickelt. Ich folge keinem klassischen Ansatz, sondern meinem Prozess. Die Form entsteht zunächst aus einer malerischen Geste, als visuelle Idee, die es zu erforschen gilt, und wird erst danach modelliert und konkretisiert.
Digitale 3D-Tools spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie es ermöglichen, eine Intuition in ein reales Objekt zu übersetzen. Ziel war es, etwas Funktionales, Ikonisches und Künstlerisches zugleich zu schaffen: ein Objekt, das seine Zeit erzählt, überrascht und aktiviert. Loop bringt diese Ebenen in Balance, ohne eine über die andere zu stellen.
Die Zusammenarbeit mit Ethimo verbindet technische Forschung und visionären Ansatz: Wie verlief der Austausch zwischen deiner gestalterischen Haltung und ihrem Outdoor-Know-how?
Die Zusammenarbeit mit Ethimo entstand sehr natürlich. Von Anfang an war eine klare Übereinstimmung spürbar: Ich kannte ihre Sprache, und sie hatten eine klare Vorstellung von meiner Arbeit. Das hat den Dialog offen und unverstellt gemacht.
Besonders schätze ich ihren Mut, sich für den experimentellsten Vorschlag zu entscheiden. Das ist keineswegs selbstverständlich, vor allem in einem Designkontext, der oft vorsichtig agiert. Der Austausch war kontinuierlich, und sie haben mich in jeder Phase begleitet, sodass ich das Projekt weiterentwickeln konnte, ohne Idee, Qualität oder Machbarkeit zu kompromittieren. Es war ein echtes Arbeiten im Dialog, mit einer klaren gemeinsamen Richtung. Eine intensive und stimulierende Erfahrung, von der ich hoffe, dass sie erst der Anfang ist.
Loop formuliert eine neue Idee von Geselligkeit, offener und fließender: Sollte Design heute stärker an Beziehungen zwischen Menschen arbeiten als an Objekten selbst?
Unbedingt. Design hat sich zu oft mit sich selbst beschäftigt und dabei vergessen, dass die Menschen im Zentrum stehen. In meiner Arbeit versuche ich, mich einer „populären“ Idee von Design anzunähern – im Sinne von zugänglich, verständlich und fähig, auch eine emotionale Beziehung aufzubauen.
Wenn dieser Bezug verloren geht, besteht die Gefahr, dass Design selbstreferenziell und letztlich steril wird. Heute hat Design nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Möglichkeit, neue Dynamiken, Beziehungen und Formen des Zusammenlebens zu entwerfen und aktiv an zukünftigen Szenarien mitzuwirken. In einem Moment wie diesem ist das nicht nur interessant. Es ist notwendig.