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5. Juni 2026
Zwischen Design, Natur und japanischem Ritual definiert Posi die Beziehung zwischen Licht, Raum und Interaktion neu.
In Japan gibt es eine alte Praxis, die das Arrangieren von Blumen in eine meditative und symbolische Handlung verwandelt: Ikebana. Es geht nicht einfach darum, natürliche Elemente zu komponieren, sondern darum, ein Gleichgewicht zwischen Leere, Form, Rhythmus und Präsenz zu schaffen. Jeder Stängel findet seinen Platz im Verhältnis zum umgebenden Raum, zum Licht und zur menschlichen Geste, die ihn positioniert.
Genau aus dieser feinen und rituellen Dimension entsteht Posi, die von Umut Yamac für Luceplan entworfene Tischleuchte, die auf der Euroluce 2025 präsentiert wurde. Mehr als ein einfaches Lichtobjekt erscheint Posi als lebendige Komposition: eine Leuchte, die durch die Interaktion des Nutzers ihre Form verändert, die Leichtigkeit eines abstrakten Bouquets evoziert und Licht in eine Erfahrung verwandelt.
Das 2011 von Umut Yamac nach seinem Abschluss an der Bartlett School of Architecture in London gegründete Studio zeichnet sich durch einen multidisziplinären Ansatz aus, der die Schnittstelle zwischen Architektur, Design und Licht erforscht. Durch einen stark handwerklichen und experimentellen Prozess, der häufig von der Natur inspiriert ist, entwickelt Yamac Objekte und Installationen, die durch Bewegung und menschliche Beteiligung zum Leben erwachen.
Interview in englischer Sprache geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.
Umut, Posi wurde von Ikebana inspiriert. Wie entstand diese Begegnung zwischen japanischer Tradition und dem Design der Leuchte?
Ikebana ist die Kunst des Blumenarrangements, das Ritual und die Achtsamkeit beim Platzieren jedes einzelnen Stängels und die Beziehung zwischen den verschiedenen Formen. Die Idee, etwas Persönliches und Lebendiges zu komponieren, schien mir ein sehr interessanter Ausgangspunkt für eine Leuchte zu sein, und mich faszinierte die Geste, etwas zu platzieren, um es zu aktivieren oder zum Leben zu erwecken. Posi ist im Grunde eine abstrahierte Vase mit floralen Lichtformen. Die Stängel leuchten auf, wenn man sie in die Basis einsetzt, sodass der Akt des Arrangierens zum Akt des Einschaltens wird. Die Kunst des Ikebana und ihre Tradition gaben mir einen wertvollen Bezugspunkt, um über die Zurückhaltung und Präzision dieser Geste nachzudenken und darüber, wie sie in Licht übersetzt werden könnte.
Die interaktive Komponente steht im Zentrum des Projekts. Wie wichtig ist die Beteiligung des Nutzers in deiner Arbeit?
Das ist etwas, worauf ich immer wieder zurückkomme. Für mich ist Interaktivität ein sehr reiches Feld, das ich auf unterschiedliche Weise erforscht habe. Die interaktive Komponente schafft mehr Möglichkeiten, sich mit einem Objekt oder Raum zu “verbinden”, sowohl physisch als auch emotional. Dadurch können großzügigere, spielerischere und bedeutungsvollere Projekte entstehen. Dies wiederum trägt zur Atmosphäre und Qualität des Raums sowie zum Wohlbefinden der Nutzer bei.
Bei Posi ist eine Leuchte, die man je nach Gefühl neu arrangieren kann, grundsätzlich etwas anderes als ein statisches Objekt, und genau diese Möglichkeit finde ich sehr faszinierend. Der Nutzer hat die Möglichkeit, sie zum Leben zu erwecken: Jede Konfiguration kann leicht anders sein und sich mit dir und deinem Raum im Laufe der Zeit verändern.

Die Diffusoren erinnern an sehr essenzielle florale Silhouetten. Wie hast du die formale Sprache des Projekts entwickelt?
Ich suchte nach einer Designsprache, die Blumen andeutet, ohne sie wörtlich darzustellen. Die Abstraktion war wichtig, weil die Geste, einen Stängel in eine Vase zu setzen, bereits vertraut ist. Nach einer längeren Phase der Prototypenentwicklung habe ich das Projekt auf drei Formen reduziert: zylindrisch, konisch und kreisförmig. Sie sind sehr geometrisch, sehr minimal, aber zusammen werden sie als eine Art stilisiertes Bouquet gelesen.
Dein Studio verfolgt einen sehr praktischen und experimentellen Ansatz. Wie wichtig sind Werkstatt und Prototyping in deiner kreativen Praxis?
Die Werkstatt ist der erste Raum, den man betritt, wenn man ins Studio kommt, und das vermittelt sofort ihren Stellenwert innerhalb der Praxis. Hier werden Konzepte entwickelt, prototypisiert und getestet. Sie ist das Herz des Studios. Für mich ist das Arbeiten und Entwerfen mit den Händen ein grundlegender Teil des Designprozesses. Ich glaube an das implizite Wissen der Hand und an den Wert des intuitiven Arbeitens, um ein Projekt durch die Prototyping-Phasen zu führen. Manche Entscheidungen lassen sich nur treffen, wenn man ein reales Objekt sieht und berührt. Deshalb ist der Prozess des Machens entscheidend.

Posi ist auch in einer tragbaren Version erhältlich. Wie verändert das die Nutzungserfahrung?
Posi ist ein tragbares Licht, und das macht sie viel persönlicher. So wie man eine Blumenvase im Raum bewegt, kann man das Licht dorthin mitnehmen, wo man es braucht. Dadurch wird ihre Nutzung flexibler und vielseitiger. Sie kann zum Beispiel als Statement-Piece in der Mitte eines Tisches stehen oder eine atmosphärischere Rolle auf einer Konsole übernehmen. Die Tragbarkeit passt besonders gut zu diesem Konzept, weil wir sie intuitiv mit einer typischen Vase verbinden. Deshalb erschien es mir wichtig, diese Eigenschaft einzubeziehen.
In einer Landschaft, die zunehmend von unsichtbaren und automatisierten Technologien geprägt ist, scheint Posi den Fokus wieder auf die menschliche Geste zu richten. Wie wichtig ist die menschliche Geste in deiner Arbeit?
Sehr wichtig. Es liegt etwas Bedeutungsvolles in einem Objekt, das direkt auf dich reagiert, nicht über einen Sensor oder eine App, sondern durch eine physische Handlung. Die Stängel zu platzieren, sie neu zu arrangieren, die Basis zu berühren, um das Licht zu dimmen: Das sind kleine Gesten, aber sie bringen dich in den Moment. Ich denke, diese Qualität wird immer seltener und immer wertvoller.
Wir leben in einer zunehmend digitalen und entmaterialisierten Gesellschaft, in der selbst Beziehungen oft über Bildschirme und Schnittstellen laufen. Glaubst du, dass Design noch intimere und bewusstere Formen der Verbindung zwischen Menschen und den Räumen, die sie bewohnen, schaffen kann?
Ja, absolut, und ich denke, das ist eine wichtige Aufgabe, die Design erfüllen kann. Wir sind von Technologien umgeben, die unsichtbar funktionieren, die antizipieren und automatisieren. Das ist bequem, kann uns aber leise von unserer eigenen Umgebung entfernen. Ein gut gestaltetes Objekt verlangt etwas von dir: eine kleine Geste, einen Moment der Aufmerksamkeit. Und dadurch bringt es dich zurück in den Raum. Diese Qualität der Präsenz, dieses Gefühl, wirklich mit dem Ort verbunden zu sein, an dem man sich befindet, ist etwas, das Design leisten kann.
Heute verändert sich das Konzept von “Zuhause” sehr schnell: Es ist zugleich Wohnraum, Arbeitsplatz und emotionaler Rückzugsort. Welche Rolle können Design und Licht deiner Meinung nach dabei spielen, die Art und Weise neu zu definieren, wie wir alltägliche Räume leben und wahrnehmen?
Licht ist ein starkes Werkzeug, um Raum zu formen, seine Atmosphäre und damit auch die Art, wie wir uns darin fühlen. Ein warmes, bewusst gesetztes Licht verändert das Gefühl eines Raumes vollständig und macht ihn einladender und menschlicher. Diese Verbindung zwischen Licht und Wohlbefinden beschäftigt mich sehr. Mit Posi war das Ziel, den Menschen etwas zu geben, das sie wirklich für sich selbst komponieren können: verschiedene Konfigurationen, verschiedene Stimmungen. Da das Zuhause heute so viele Funktionen gleichzeitig übernimmt, braucht man Objekte, die sich mit einem verändern können. Und wenn das Licht stimmt, verändert sich der Raum um dich herum. Er wird zu einem Ort, an dem man sein möchte.