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8. Juni 2026
Zur 3daysofdesign 2026 wird Kopenhagen zu einem Labor für bewusstes Wohnen, in dem Handwerkskunst, sinnliche Erfahrungen und kulturelle Rituale die Rolle des zeitgenössischen Designs neu definieren.
Im zeitgenössischen Design zeigt sich eine immer deutlichere Spannung: Einerseits besteht das Bedürfnis, ein materielles Gedächtnis zu bewahren, das auf Handwerkskunst, Tradition und überlieferten Gesten beruht; andererseits wächst die Dringlichkeit, nachhaltigere, inklusivere und bewusstere Formen des Wohnens und Lebens zu entwickeln. Zwischen diesen beiden Kräften – Vergangenheit und Zukunft – liegt jedoch ein oft übersehener Raum: die Gegenwart. Genau hier setzt das Motto der 3daysofdesign 2026 an: „Make This Moment Matter“.
Die neue Ausgabe des dänischen Festivals in Kopenhagen lädt Designer, Marken und Kreativstudios dazu ein, über die tiefere Bedeutung von Design nachzudenken. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Form oder Funktion, sondern vor allem Intention. Nicht allein Objekte, sondern Beziehungen, Gemeinschaften, Wohlbefinden und Verantwortung. Für Signe Byrdal Terenziani, CEO und Managing Director von 3daysofdesign, steht das Thema für „eine positive Form der Selbstermächtigung“, die dazu ermutigt zu handeln, auch ohne alle Antworten zu kennen, und die konkrete Fähigkeit von Design anerkennt, Veränderungen anzustoßen.
Diese kulturelle Haltung ist besonders relevant in einer Zeit, in der Design ständig zwischen Nostalgie und Zukunftsvisionen pendelt. Die nordische Tradition, deren eines Zentrum Kopenhagen bleibt, prägt die internationale Designlandschaft weiterhin durch ihre funktionale, demokratische und reduzierte Ästhetik. Heute wird dieses Erbe jedoch durch neue Perspektiven neu interpretiert: ökologisches Bewusstsein, Alltagsrituale, kollaborative Praktiken und ein emotionaleres Verständnis des Wohnraums.
Zu den spannendsten Projekten der Ausgabe 2026 zählt Bread and Butter, eine wandernde Ausstellungsplattform, die Alltagsrituale anhand des Konzepts „gepaarter Objekte“ untersucht. Nach einer ersten Ausgabe zum Thema Essen widmet sich das neue Kapitel dem Baden als intimer und zugleich kollektiver Erfahrung. Designer unterschiedlicher Kulturen und Generationen entwickeln Objektpaare, die funktional, ästhetisch und symbolisch miteinander in Dialog treten. Von den Hafenbädern Dänemarks über finnische Saunen bis hin zu japanischen Onsen und koreanischen Jjimjilbangs zeigt das Projekt, wie Wasser, Wärme und Körperpflege zu einer gemeinsamen Sprache werden können. Mehr als eine Ausstellung versteht sich Bread and Butter als Reflexion über Design als Infrastruktur des Alltags, die kleine gewöhnliche Handlungen in Momente kultureller Verbundenheit verwandeln kann.
Mit mehr als einem Jahrhundert Geschichte kehrt Georg Jensen mit Georg Jensen At Play zur 3daysofdesign zurück. Die Ausstellung interpretiert das Erbe der dänischen Marke aus einer spielerischen Perspektive neu. Die 1904 gegründete Maison entwickelte ihre Identität rund um die Idee eines demokratischen Designs, das Funktionalität mit handwerklicher Schönheit verbindet. Für 2026 rückt die Marke erneut Silber in den Mittelpunkt – das symbolträchtige Material ihrer Geschichte –, das zum Protagonisten eines imaginären Gartens im Herzen Kopenhagens wird. Die Installation verspricht einen leichteren und experimentelleren Ansatz als die traditionell eher strenge Formensprache der Marke, bewahrt jedoch zugleich jene skulpturale Qualität und formale Präzision, die Georg Jensen zu einer Ikone des nordischen Designs gemacht haben.
Die traditionsreiche schwedische Marke Grythyttan Stålmöbler feiert ihr 130-jähriges Bestehen mit Bovik, einer neuen Outdoor-Kollektion, die den Dialog zwischen Tradition und Gegenwart fortführt. Seit 1895 produziert das Unternehmen Möbel aus Holz und Federstahl in der Stadt Grythyttan und hält dabei an einem Herstellungsprozess fest, der eng mit handwerklicher Fertigung verbunden ist. Die ikonischen Schaukelstühle der Marke, die durch die Formgebung von Federstahl entstehen, gelten bis heute als Beispiel skandinavischer Handwerkskunst und Ingenieurskunst. Während der 3daysofdesign präsentiert die Marke innerhalb der Plattform FRAMING neue Farbvarianten sowie eine Kollektion, die die Bedeutung von Langlebigkeit und hochwertiger Konstruktion in einer von Produktionsgeschwindigkeit geprägten Zeit unterstreicht.
Mit Echoes of Form präsentiert Kristina Dam Studio eine der immersivsten Installationen des Festivals. Der Showroom in Kopenhagen verwandelt sich in eine weiche, ruhige und haptische Umgebung, die das Verhältnis zwischen Form, Wahrnehmung und Präsenz erforscht. Das 2012 gegründete Studio ist bekannt für seinen Ansatz, skulpturalen Minimalismus mit architektonischer Sensibilität zu verbinden. Die neuen Kollektionen werden in einem Ambiente präsentiert, das von der Atmosphäre eines Cafés inspiriert ist und zu einer langsamen, kontemplativen Auseinandersetzung mit den Objekten einlädt.

Zu den Installationen, die besonders eng mit der neuen emotionalen Ausrichtung des nordischen Designs verbunden sind, zählt auch die Zusammenarbeit zwischen Form & Refine und Kurage. Die Ausstellung stellt das psychophysische Wohlbefinden in den Mittelpunkt und entwickelt einen multisensorischen Parcours, der Sehen, Tasten, Riechen, Hören, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung einbezieht. Taktile Textilien und Möbel aus natürlichen Materialien schaffen eine Umgebung, die zur Entschleunigung einlädt und Raum für Reflexion und Dialog bietet. Mehr als ein Showroom wird sie zu einem meditativen Ort, an dem Design nicht als schneller Konsum, sondern als Erfahrung verstanden wird, die das Nervensystem, die Stimmung und die Lebensqualität beeinflussen kann.
Einer der interessantesten Dialoge zwischen lokaler Tradition und internationaler Gestaltungssprache stammt von Kaikale, der indischen Marke, die mit dem skandinavischen Architekten Alexander Mihel zusammenarbeitet. Die innerhalb von FRAMING präsentierte Kollektion ist das Ergebnis von mehr als zwei Jahren gemeinsamer Arbeit zwischen traditioneller indischer Tischlerkunst und nordischen Designprinzipien. Das Projekt experimentiert mit Kokosholz, einem Material, das im zeitgenössischen Möbeldesign nur selten verwendet wird, und interpretiert damit eine Praxis neu, die tief in der indischen Materialkultur verwurzelt ist. Das Ergebnis ist eine Sitzmöbelkollektion, die nicht nur ästhetische Forschung widerspiegelt, sondern auch eine umfassendere Auseinandersetzung mit Ressourcennachhaltigkeit und der Weitergabe handwerklichen Wissens.

Mehr als nur ein Festival verwandelt die 3daysofdesign Kopenhagen weiterhin in ein großes urbanes Labor, in dem Design als kollektive Praxis erlebt wird. Die Ausgabe 2026 richtet den Blick über die reine Ästhetik hinaus und hin zu einer stärker beziehungsorientierten und bewussten Dimension des Designs.