Entdecken Sie unseren E-Shop und unseren digitalen Katalog mit über 40.000 Designprodukten.
Zum online ShopBack to work | Erhalten Sie 15% Rabatt bei Bestellungen ab 680€ mit dem Coupon BTW15
29. Juni 2026
Matteo Nunziati spricht über B.E.L.T., ein Sofa, inspiriert von Reisekoffern und Truhen, das architektonische Strenge, Handwerkskunst und zeitgenössischen Komfort vereint.
Matteo Nunziati zählt zu den prägendsten Stimmen des zeitgenössischen italienischen Designs. Seine Arbeit verbindet architektonische Präzision, eine ausgeprägte Aufmerksamkeit für Details und eine internationale Vision des Wohnens. Mit einer Gestaltungssprache, die zeitlose Eleganz mit Materialforschung vereint, hat Nunziati über die Jahre hinweg eine kohärente, raffinierte Ästhetik entwickelt, die Komfort als sinnliche Erfahrung versteht. Für Turri entwarf er die neue Polstermöbelkollektion B.E.L.T., die von einer ausgesprochen maßgeschneiderten und eleganten Haltung geprägt ist.
Interview auf Italienisch geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.
Der geflochtene Gürtel ist ein stark symbolisches und identitätsstiftendes Element. Wie entstand die Idee, ein typisches Detail der Lederwarenkunst in ein strukturelles Element des Sofas zu verwandeln? War es zunächst ein ästhetischer Impuls oder eine funktionale Überlegung?
Ich betrachte mich grundsätzlich als einen rationalen Menschen. Auch mein kreativer Prozess verläuft geordnet und strukturiert: Ich recherchiere ikonografische und künstlerische Referenzen, untersuche Archetypen und analysiere Produkte mit ähnlichen Eigenschaften, die sich bereits am Markt bewährt haben.
Trotz dieser methodischen Herangehensweise gibt es im kreativen Prozess immer einen Moment, der geheimnisvoll und unvorhersehbar bleibt. Es ist der Augenblick, in dem ich zu zeichnen beginne: Unter vielen Linien auf dem Papier gibt es plötzlich eine, die meine Aufmerksamkeit fesselt. Ich erkenne ihr Potenzial, entwickle sie weiter und folge ihr beinahe automatisch. Es ist ein intuitiver, wenig rationaler Prozess, der sich im Nachhinein nur schwer erklären lässt.
Deshalb kann ich nicht sagen, ob der Gürtel als ästhetische Geste oder als funktionale Überlegung entstanden ist. Ich kann jedoch sagen, dass ich stets versuche, die authentischste Seele des Unternehmens zu interpretieren, mit dem ich zusammenarbeite. Im Fall von Turri waren die Verbindung zur hochwertigen Lederverarbeitung und die handwerkliche Tradition ein außerordentlich starkes Identitätsmerkmal. Meine Aufgabe bestand darin, dieses Erbe durch meine ästhetische Sensibilität neu zu interpretieren und in ein zeitgenössisches, zugleich strukturelles und symbolisches Element zu verwandeln.

Sie sprechen von einer Inspiration durch die Reisekultur des 19. Jahrhunderts und die Kunst der Reisekoffer. Wie übersetzt sich dieses mit Bewegung und Reisen verbundene Bild konkret in die Proportionen, Materialien und die Modularität von B.E.L.T.?
Dieses Sofa entstand tatsächlich aus einer Reflexion über die Kultur des Reisens und die Entwicklung eines funktionalen Gegenstands zu einem Symbol von Eleganz.
Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen der Eisenbahn und des bürgerlichen Tourismus, hörte der Koffer auf, lediglich ein Behältnis zu sein, und wurde zum Ausdruck eines Lebensstils. In Paris entstanden die ersten Ateliers, die sich der Herstellung exquisiter Reisetruhen für die europäische Elite widmeten: technische Objekte, gewiss, aber zugleich ästhetische Statements.
B.E.L.T. greift dieses kulturelle Erbe auf und übersetzt es in eine zeitgenössische Sprache. Die großen, scheinbar reduzierten rechteckigen Volumen bergen eine bemerkenswerte Raffinesse: maßgeschneiderte Paspelierungen, sorgfältig ausgewählte Stoffe und harmonische Proportionen. Das prägende Detail ist der Ledergürtel, der die Armlehnen umschließt und in einer eleganten Schnalle mit den Turri-Initialen endet. Ein diskretes, aber unverwechselbares Merkmal, das an die Welt der luxuriösen Lederwaren erinnert und das Sofa in eine Art zeitgenössischen Reisekoffer verwandelt.
Die rechteckigen Volumen wirken mit nahezu architektonischer Präzision gestaltet und vermitteln gleichzeitig Weichheit und Komfort. Wie gelingt es Ihnen, gestalterische Strenge und emotionale Dimension in Ihren Projekten auszubalancieren?
Die Herausforderung besteht immer darin, die Frische der ersten Skizze zu bewahren – jenes ursprünglichen Zeichens, aus dem die Idee des Projekts hervorgegangen ist.
Im Produktdesign ist dieses Gleichgewicht besonders komplex: Technische Anforderungen, konstruktive Aspekte, kommerzielle Bedürfnisse und industrielle Kosten spielen eine Rolle. Jede Phase birgt die Gefahr, das Projekt von seiner ursprünglichen Intuition zu entfernen.
Die eigentliche Fähigkeit liegt darin, einen Weg zu finden, der dem Projekt erlaubt, sich weiterzuentwickeln und zu vervollständigen, ohne diesen ursprünglichen Impuls zu verlieren. In diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit mit Turri von zentraler Bedeutung: Jede Idee, jede gestalterische Herausforderung wird zu einer gemeinsamen Aufgabe. Im Dialog zwischen kreativer Vision und handwerklich-industrieller Kompetenz verwandelt sich Strenge in Eleganz und Präzision in authentischen Komfort.
Denken Sie bei der Gestaltung eines Systems wie B.E.L.T. bereits an den Dialog mit dem gesamten Raum? Wie beeinflusst Ihre ganzheitliche Vision die Entwicklung eines einzelnen Möbelstücks?
Mein Studio arbeitet in den Bereichen Architektur, Interior Design und Produktdesign. Deshalb bin ich es gewohnt, auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zu denken – vom kleinsten Detail bis zur architektonischen Dimension.
Ich kann mir keinen Produktdesigner vorstellen, der nicht bereits den Ort, die Atmosphäre und die Eigenschaften des Raumes vor Augen hat, in dem das Objekt später leben wird. Für mich existiert ein Projekt niemals isoliert; es ist immer Teil eines größeren Systems.
Oft liefern mir Architektur- oder Interior-Projekte die Inspiration für ein Produkt. In anderen Fällen wird ein Detail, das für ein Möbelstück entwickelt wurde, zu einem bedeutenden Element eines größeren räumlichen Konzepts. Es ist ein kontinuierlicher, unaufhörlicher und äußerst inspirierender Dialog.
Mit Turri entwickeln wir genau diese Art von Beziehung: nicht nur Produktdesign, sondern eine gemeinsame Vision, die sich auch auf exklusive Interieurs erstreckt. Es ist eine Zusammenarbeit, die über das einzelne Objekt hinausgeht und eine umfassendere, kohärente Gestaltungssprache entstehen lässt.

B.E.L.T. wird als zeitgenössisches Sammlerstück beschrieben, zugleich aber auch als „perfekt für den Alltag“. Wie entsteht heute dieses Gleichgewicht zwischen maßgeschneiderter Exklusivität und echter Wohnfunktionalität?
Ich habe mich oft gefragt, ob unsere Arbeit oberflächlich wirken könnte. Einen ganzen Tag damit zu verbringen, das richtige Leder für ein Sofa auszuwählen, mag im Vergleich zu den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen nebensächlich erscheinen.
Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass der Mensch nicht nur funktionale Bedürfnisse wie Essen, Schlafen oder Arbeiten hat, sondern auch ein tiefes Bedürfnis nach Schönheit. Ein ebenso konkretes und grundlegendes Bedürfnis wie jedes andere.
Genau darin liegt der Kern unserer Arbeit: Schönheit in den Alltag zu bringen. Design muss funktionale Anforderungen erfüllen – im Fall dieses Sofas etwa Komfort, nahezu unbegrenzte Modularität und ausgewogene Proportionen. Gleichzeitig muss es das ästhetische Verlangen nähren – durch raffinierte Details, sorgfältig ausgewählte Materialien und charakteristische Merkmale, die die Identität von Turri widerspiegeln.
Dieses Gleichgewicht zu suchen und zu finden, ist nicht nur eine Gestaltungsstrategie. Es ist die DNA unserer Arbeit, die tiefe Motivation, die uns jeden Tag antreibt.