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8. Juli 2026
Mit Arkadius für laCividina definiert Norm Architects die Grenze zwischen Innen- und Außenraum durch Modularität, natürliche Materialien und Soft Minimalism neu.
Mit Arkadius entwirft Norm Architects für laCividina ein modulares System, das die Grenze zwischen Innen- und Außenraum auflöst. Die Kollektion wurde in Mailand im Rahmen der Installation Atrio Calmo präsentiert und interpretiert den gestalterischen Ansatz des Soft Minimalism durch eine architektonische Struktur aus rhythmisch angeordneten vertikalen Holzelementen und scheinbar schwebenden Polstervolumen, die ruhige und einladende Atmosphären schaffen. Natürliche Materialien, Modularität und eine ausgeprägte sensorische Forschung verwandeln Arkadius in weit mehr als ein Sofasystem: Es wird zu einem räumlichen Gestaltungselement, das neue Formen des Zusammenlebens und zeitgemäßen Wohnens definiert.
Interview in englischer Sprache geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.

Die neue Polstermöbelkollektion wurde für einen Raum konzipiert, der zwischen Innen- und Außenbereich schwebt. Wie haben Sie diesen hybriden Zustand sowohl formal als auch materiell interpretiert?
Das Projekt entstand aus dem Wunsch, die traditionelle Trennung zwischen Innen- und Außenbereich zu überwinden und ein Möbel zu entwickeln, das in beiden Kontexten dieselbe gestalterische Kohärenz bewahrt. Wir haben beobachtet, dass Outdoor-Systemen häufig eine klar erkennbare konstruktive Identität fehlt, während Indoor-Sofas ihre architektonische Präsenz im Raum deutlich zum Ausdruck bringen. Unsere Antwort bestand darin, eine sichtbare Struktur einzuführen, einen Rhythmus vertikaler Holzelemente, der Ordnung, Stabilität und eine starke räumliche Identität schafft. Innerhalb dieses Rahmens scheinen die gepolsterten Volumen beinahe zu schweben und erzeugen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Solidität und Weichheit. Auch die Materialwahl folgt diesem Prinzip: Natürliche Hölzer wie Esche und Iroko treten in Dialog mit hochwertigen Textilien und ermöglichen es dem System, sich mühelos in unterschiedliche Umgebungen einzufügen.
Ihre Arbeit wird häufig mit einem warmen Minimalismus verbunden, der Wahrnehmung und sinnliche Qualität in den Mittelpunkt stellt. Wie spiegelt sich dieser Ansatz in der im Rahmen von Atrio Calmo präsentierten Kollektion wider?
Unser Ansatz, den wir als Soft Minimalism bezeichnen, basiert auf dem Wunsch, Gestaltung auf ihre wesentlichen Elemente zu reduzieren, ohne dabei Wärme und sinnliche Qualität zu verlieren. In dieser Kollektion zeigt sich das in einer klaren Formensprache, bei der jedes Element eine präzise Funktion erfüllt. Die Struktur schafft Rhythmus und Ordnung, während großzügig dimensionierte Kissen Komfort und Verweilen fördern. Auch die Farb- und Materialpalette wurde sorgfältig komponiert, um eine ruhige und zeitlose Atmosphäre aus natürlichen Farbtönen und haptischen Oberflächen entstehen zu lassen. Das Ergebnis ist ein Gleichgewicht zwischen gestalterischer Strenge und einladender Wohnlichkeit, bei dem Einfachheit niemals kühl, sondern zutiefst menschlich wirkt.
Die Zusammenarbeit mit laCividina scheint auf einer gemeinsamen Wertebasis zu beruhen, von der Liebe zum Detail bis zur Bedeutung des menschlichen Erlebens. Wie haben Sie die Zusammenarbeit erlebt und welche Aspekte der Unternehmenskultur haben das Projekt besonders geprägt?
Die Zusammenarbeit mit laCividina verlief ausgesprochen natürlich und beruhte auf einer starken Übereinstimmung unserer Werte. Das Unternehmen verbindet auf bemerkenswerte Weise Designkultur mit handwerklicher Exzellenz, was die Entwicklung des Systems maßgeblich beeinflusst hat. Vor allem der kontinuierliche Austausch und die direkte Arbeit an Prototypen im Unternehmen ermöglichten es uns, feine, aber entscheidende Details zu verfeinern, die den Charakter des Endprodukts bestimmen. Die hohe Kompetenz im Bereich Polsterung und die konstruktive Präzision machten es möglich, das Zusammenspiel von Struktur und Komfort sichtbar zu halten, das im Mittelpunkt des Projekts steht. Darüber hinaus entspricht der Fokus auf Nachhaltigkeit und die Trennbarkeit der Materialien einem verantwortungsvollen Ansatz, den wir uneingeschränkt teilen.

Das modulare Polstersystem wurde sowohl für private als auch für öffentliche Räume entwickelt. Was waren die größten Herausforderungen bei der Gestaltung eines Möbels, das zugleich architektonisch, flexibel und kommunikativ sein sollte?
Die größte Herausforderung bestand darin, ein Gleichgewicht zwischen architektonischer Präsenz und Flexibilität zu finden. Unser Ziel war es, ein System zu schaffen, das nicht nur modular aufgebaut ist, sondern als echtes räumliches Gestaltungselement funktioniert. Jedes Modul wurde daher als eine Art Baustein konzipiert, der sich frei kombinieren lässt und dennoch durch den Rhythmus der vertikalen Elemente eine klare visuelle Ordnung bewahrt. Gleichzeitig fördern Proportionen und Komfort eine informelle, kommunikative Nutzung, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Das System ermöglicht lineare, winkelförmige oder inselartige Konfigurationen und passt sich unterschiedlichsten Situationen an, ohne seine gestalterische Identität zu verlieren.
Mit Atrio Calmo wird Atmosphäre zum zentralen Gestaltungselement. Welche Bedeutung hat die atmosphärische Dimension für Ihre Arbeit und wie übersetzen Sie sie in Formen, Volumen und Proportionen, die zugleich reduziert und einladend wirken?
Atmosphäre ist für uns immer ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfsprozesses, weil sie weit über ästhetische Fragen hinausgeht und bestimmt, wie ein Raum im Laufe der Zeit wahrgenommen und erlebt wird. In diesem Sinne entspricht das von dem Kreativduo Barbieri Magalini kuratierte und von der Kreativberatung MM Company produzierte Konzept von Atrio Calmo in besonderer Weise unserem gestalterischen Denken.

Die Idee des Atriums als Zwischenraum zwischen Innen und Außen, offen für Begegnung und Austausch, steht der Logik, mit der wir Arkadius entwickelt haben, sehr nahe. Wir haben mit ausgewogenen Proportionen, einer ruhigen visuellen Präsenz und Materialien gearbeitet, die auf natürliche Weise mit dem Licht interagieren. Der Rhythmus der Struktur erzeugt räumliche Tiefe und verändert sich im Verlauf des Tages, während die gepolsterten Volumen eine wohnliche und einladende Dimension schaffen. Unser Ziel war es, Elemente zu entwerfen, die den Raum nicht dominieren, sondern ihn auf leise Weise begleiten und definieren und so zu einer Atmosphäre von Ausgewogenheit und Begegnung beitragen.