Back to work | Erhalten Sie 15% Rabatt bei Bestellungen ab 680€ mit dem Coupon BTW15

Deanna Comellini zwischen Imagination und organischen Formen

6. Juli 2026

Deanna Comellini

Mit Imago für G.T.DESIGN verwandelt Deanna Comellini den Teppich in eine immersive Landschaft, in der Nachhaltigkeit, organische Formen und Vorstellungskraft miteinander verschmelzen.

In der Arbeit von Deanna Comellini wird der Teppich zu einer erzählerischen Oberfläche, einer emotionalen Landschaft und einem Medium zur Transformation des Raums. Mit Imago, der neuen Capsule Collection, die G.T.DESIGN auf der Milano Design Week 2026 präsentierte, setzt die Designerin ihre Forschung zu organischen Formen und dem Konzept des „Imperfect Design“ fort. Nachhaltigkeit, Vorstellungskraft und sinnliche Wahrnehmung verbinden sich zu einer Kollektion aus regeneriertem Econyl, die das Thema „Active Imagination“ durch fließende Muster und archetypische Formen interpretiert. Sie erinnern an Natur, Erinnerung und ständige Wandlung und machen den Teppich zu einer lebendigen, immersiven Präsenz.

Interview auf Italienisch geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.

Deanna Comellini Imago G.T.DESIGN.

„Imago“ versteht sich als Hommage an Regeneration und Wandel. Wie hat sich dieses Konzept im kreativen Prozess und in der Entwicklung der organischen Muster der Kollektion niedergeschlagen?

Imago entstand aus der Idee einer kontinuierlichen Transformation, wie sie auch in der Natur stattfindet. Im kreativen Prozess habe ich durch Reduktion und allmähliches Auflösen gearbeitet und den Formen erlaubt, sich als fließende Spuren zu entfalten. Die Muster entstehen aus organischen Assoziationen wie Wasserreflexen, Meeresböden oder Blütenblättern und entwickeln sich durch feine Schichtungen. Ich wollte ein offenes System schaffen, in dem jeder Teppich als ein sich wandelnder Organismus wahrgenommen wird, der sich im Blick jedes Einzelnen immer wieder verändert.

Deanna Comellini Imago G.T.DESIGN.

Die neue Form Native B erweitert die visuelle Sprache der Linie UltraNative. Welche gestalterischen Möglichkeiten eröffnet diese Entwicklung und wie steht sie im Dialog mit Ihrer Forschung zu archetypischen Urformen?

Die Form Native entstand bereits aus der Ablehnung einer vorgegebenen Geometrie. Das Rechteck ist eine Konvention und nichts, was der Natur entspricht. Mit Native B wollte ich diese Freiheit noch weiter ausloten. Die Form erzeugt eine andere, wesentlich weniger vorhersehbare Spannung im Raum. Dadurch tritt der Teppich auf dynamischere Weise mit seiner Umgebung und den Menschen in Beziehung, die ihn nutzen. Im Mittelpunkt steht weiterhin dieselbe Suche nach ursprünglichen, archetypischen Formen, die nicht dekorativ, sondern tief in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind.

Deanna Comellini Imago G.T.DESIGN.
G.T.DESIGN. UltraNative Teppich 2
G.T.DESIGN. UltraNative Teppich 4

Die Design Week 2026 stand unter dem Leitmotiv „Active Imagination“. Wie verbindet sich dieses Thema mit Ihrer künstlerischen Vision und mit dem immersiven Raumerlebnis, das Imago schaffen möchte?

Das Konzept der „Active Imagination“ entspricht sehr genau meinem Verständnis von Gestaltung: Design ist für mich nichts Vorgegebenes, sondern eine Erfahrung, die erst durch die individuelle Wahrnehmung aktiviert wird. Mit Imago wollte ich Oberflächen schaffen, die keine eindeutige Interpretation vorgeben, sondern Möglichkeiten eröffnen. Die Teppiche werden zu inneren Landschaften, die den Betrachter dazu einladen, Erinnerungen und Emotionen auf sie zu projizieren. Es sind intime Räume, die sich mit jeder Person verändern, die ihnen begegnet. Gerade weil das Erlebnis nie eindeutig ist, entsteht eine immersive Erfahrung, ein mentaler ebenso wie physischer Raum, in dem Design und Vorstellungskraft miteinander in Dialog treten und sich gegenseitig verwandeln.

Die Kollektion wird aus Econyl gefertigt, einem regenerierten Garn aus recycelten Materialien. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer gestalterischen Praxis und wie verbindet sie sich mit Ihrem Verständnis von „Imperfect Design“?

Nachhaltigkeit ist für mich eine natürliche Konsequenz meiner Sicht auf die Welt. Die Verwendung von Econyl entspricht der Idee der Regeneration, die die gesamte Kollektion durchzieht: Aus Abfallmaterialien entsteht etwas Neues und Bedeutungsvolles. Dies steht in engem Zusammenhang mit dem Konzept des „Imperfect Design“, das nicht nach absoluter formaler Perfektion strebt, sondern Vielfalt, Veränderung und Zeit in den Mittelpunkt stellt. Unvollkommenheit wird zu einem Wert, weil sie einen Prozess, eine Geschichte und vor allem ein Material erzählt, das sich ständig verändert. Nachhaltigkeit und Imperfektion teilen damit dieselbe Vision: die eines lebendigen Designs, das sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Deanna Comellini Imago G.T.DESIGN.

Seit mehr als vierzig Jahren bewegen Sie sich an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Industrie und künstlerischer Experimentation. Inwiefern markiert Imago einen neuen Schritt auf diesem Weg und welche Zukunft sehen Sie für den zeitgenössischen Teppich als Ausdrucksmedium?

Imago stellt für mich eine reife Synthese meines bisherigen Weges dar. Seit Langem bin ich überzeugt, dass der Teppich seine rein funktionale Rolle hinter sich lassen kann. Er ist nicht nur ein Objekt auf dem Boden, sondern eine aktive Präsenz, die Beziehungen schafft und die Wahrnehmung des Raums verändert. Ich glaube, dass genau darin die Zukunft des zeitgenössischen Teppichs liegt: als immer ausdrucksstärkeres Medium, das mit Architektur und Menschen auf unmittelbare und sensible Weise kommuniziert. Ein Objekt, das niemals neutral ist, sondern Energie und Veränderung in sich trägt. Letztlich ist jedes Projekt die Verwandlung von etwas bereits Vorhandenem und gerade in diesem Übergang kann immer wieder etwas vollkommen Neues entstehen.