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2. Juli 2026
Giacomo Moor spricht über seinen Designansatz, der Handwerkskunst, Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.
Un der Arbeit von Giacomo Moor stehen Entwurf und Konstruktion in einem ständigen Dialog. Daraus entsteht eine Arbeitsweise, in der sich Denken und Machen gegenseitig bedingen. Anlässlich der Einführung der Sitzmöbelkollektion Fillet für Living Divani spricht der Designer über seine Beziehung zum Material, die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und die Entstehung der Kollektion. Dabei reflektiert er die Rolle des Designs im Spannungsfeld von Identität, Nachhaltigkeit und Innovation.
Interview auf Italienisch geführt – deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung.

Ihr Werdegang basiert auf einer tiefen Kenntnis von Holz und Material. Inwiefern prägt dieses handwerkliche Verständnis Ihren Ansatz im zeitgenössischen Design?
Unser Studio verfügt seit seiner Gründung über eine eigene Schreinerei. Der Entwurfsprozess ist dadurch täglich mit der handwerklichen Umsetzung verknüpft und schafft Denkweisen und Arbeitsabläufe, die meinen gestalterischen Ansatz maßgeblich beeinflussen. Der unmittelbare Kontakt mit dem Material und die Möglichkeit, Ideen kontinuierlich praktisch zu überprüfen, haben es mir ermöglicht, eine Methode zu entwickeln, bei der das Denken das Handeln beeinflusst und umgekehrt.
Bei Fillet und Fillet Lounge für Living Divani wird das konstruktive Detail zum ästhetischen Ausdruck. Wie ist das Projekt entstanden und wie entwickelte sich das Zusammenspiel von Struktur, Proportion und Komfort?
Die Kollektion Fillet entstand und entwickelte sich aus einem nahezu obsessiven Streben nach Reduktion und formaler Synthese. Alle Elemente tragen gleichermaßen zur Struktur bei, und die formale Gestaltung ist die direkte Folge präziser konstruktiver Vorgaben, die sich aus dem Biegen der Metallrohre ergeben haben. Besonders fasziniert mich, dass die grafische Linie, die aus dem Zusammentreffen von Gestell und Bein entsteht, sichtbar bleibt und damit das konstruktive Prinzip offenlegt. Die Polsterung passt sich der Geometrie der Schale an und ist vollständig unabhängig von ihr aufgebaut, sodass sie sich bei Bedarf problemlos austauschen lässt.
Was hat Sie während der Zusammenarbeit mit Living Divani sowohl auf menschlicher als auch auf produktionstechnischer Ebene besonders beeindruckt?
Ich bin überzeugt, dass kein Projekt ohne einen kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten entstehen kann. Erst das Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen führt zu einem überzeugenden Ergebnis. Carola Bestetti und das gesamte Projektteam haben mich bereits bei unserer ersten Zusammenarbeit, dem Sideboard Railway im Jahr 2023, mit ihrem konsequenten Streben nach Produktverbesserung beeindruckt. Diese systematische Suche nach Qualität, verbunden mit großem Respekt für die eingebrachten Ideen, motiviert mich, eine Zusammenarbeit weiterzuführen, von der ich hoffe, dass sie gerade erst begonnen hat.
Für welche Art von Räumen sehen Sie Fillet und Fillet Lounge? Eher in privaten Wohnbereichen, im Contract-Sektor oder in Architekturen mit ausgeprägt zeitgenössischem Charakter?
Einer der wichtigsten Aspekte bei der Entwicklung eines Produkts für ein Unternehmen ist die Balance zwischen seiner gestalterischen Ausdruckskraft und seiner Fähigkeit, sich in unterschiedlichste Kontexte einzufügen. Ich stelle mir Fillet als eine Präsenz vor, die auf den ersten Blick leicht und zurückhaltend wirkt, bei näherem Hinsehen jedoch die Sorgfalt im Detail und die Klarheit ihrer Konstruktion offenbart. Die Möglichkeit, die Schale in Aluminium oder Holz auszuführen und die Polsterung optional hinzuzufügen oder wegzulassen, unterstreicht die Vielseitigkeit der Kollektion und ermöglicht ihren Einsatz sowohl in wohnlichen Interieurs als auch in anspruchsvollen Contract-Projekten.
Welche Rolle spielt der Designer heute dabei, ein Gleichgewicht zwischen formaler Identität, Nachhaltigkeit und technologischer Innovation zu schaffen?
In der heutigen Designlandschaft ist eine zunehmende formale Vereinheitlichung deutlich erkennbar. Nachhaltigkeit ist zwar zu einem oft verwendeten Begriff geworden, sollte jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil des gestalterischen Denkens sein. Sie bedeutet vor allem, Produkte zu entwerfen, die Trends und kurzfristige Moden überdauern. Technologische Innovation und sprachliche beziehungsweise gestalterische Kohärenz sind dabei wirkungsvolle Instrumente, um Objekte zu schaffen, die Menschen über viele Jahre begleiten und gemeinsam mit ihren Besitzern altern.