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29. April 2026
Von Tito Agnolis P3 bis zum Elogio Sofa von Afra und Tobia Scarpa bringt die dänische Marke in die Via Macchi 82 eine Kollektion, die den Begriff des Neuen selbst hinterfragt.
Während der Design Week erfindet sich Mailand jedes Jahr neu: Neue Orte öffnen ihre Türen, bislang unbekannte Adressen zirkulieren unter Kennern, und der Stadtplan verändert sich innerhalb weniger Tage. Doch inmitten dieser ständigen Bewegung gibt es Orte, zu denen man mit der Selbstverständlichkeit eines vertrauten Ziels zurückkehrt. Via Macchi 82 ist einer davon. Mohd Officina Milano besitzt jene seltene Qualität, sich nicht jede Saison neu inszenieren zu müssen: Der Raum empfängt, lässt die Inhalte sprechen und überrascht Jahr für Jahr, ohne seine Identität zu verraten.
Schon beim Eintreten vermittelt ein großzügiges, unmittelbares Licht dem Raum eine unerwartete Offenheit. Es ist die unverwechselbare Handschrift von Gubi, der dänischen Marke, die 1967 von Gubi Olsen und seiner Frau Lisbeth gegründet wurde und bis heute einer unveränderten Philosophie folgt: zeitloses skandinavisches Design, in dem nordische Eleganz, Handwerkskunst und Alltagstauglichkeit kompromisslos zusammenfinden. Rechts empfängt das Gubi-Team die Gäste zum Frühstück: An drei verschiedenen Vormittagen verwandelte sich der Ort in eine Bühne echter Gespräche, zu denen Architekten, Interior Designer, Unternehmer und Freunde der Marke eingeladen waren, um Materialien – von Stein bis Rattan – und die Bedeutung jeder gestalterischen Entscheidung zu entdecken.
„Während der Design Week veranstalten wir drei Breakfast Workshops, um zu zeigen, wie Gubi mit Materialien arbeitet. Es ist eine konkrete Gelegenheit für Architekten und Interior Designer, unseren Ansatz wirklich zu verstehen: von Stein bis Rattan bis hin zur handwerklichen Komplexität hinter jedem einzelnen Stück.“
— Emma, Head of Europe South & Benelux, Gubi
Der räumliche Parcours entfaltet sich dynamisch in unterschiedlichen Settings und führt rasch zum ersten Schlüsselstück: P3 und P3S, 1964 vom italienischen Architekten Tito Agnoli für Bonacina 1889 entworfen und heute durch die Zusammenarbeit zwischen Gubi und der traditionsreichen italienischen Manufaktur neu aufgelegt. Zwei Ikonen der Nachkriegszeit, den originalen Archivzeichnungen treu und zugleich für die Gegenwart weitergedacht: nun auch in synthetischem Rattan für den Außenbereich erhältlich, wetterbeständig, bringen sie den P3 erstmals nach draußen und machen den P3S zum ersten Lounge Chair von Gubi. Jedes Stück ist einzigartig: feine Abweichungen der Handarbeit werden zum sichtbaren Zeichen eines Prozesses, der sich nicht industriell reproduzieren lässt – und es auch nicht will.
„P3 und P3S sind Archivstücke von Tito Agnoli, ursprünglich für Bonacina entworfen. In diesem Jahr haben wir sie für den Innen- und Außenbereich neu zum Leben erweckt – mit größter Aufmerksamkeit für die handwerkliche Qualität des Rattans. Es ist ein Dialog zwischen Italien und Dänemark, der heute vollkommen stimmig wirkt.“
— Alberto Del Prete, Senior Designer & Product Developer, Gubi
Für die Installation Interior Reflections bei Mohd entschied sich Studiopepe dafür, die Gubi-Kollektion mit Stücken anderer Marken zu verweben – eine Geste, die ihre Vision eher über Bilder als über Worte erzählt. Der Basket Lounge Chair mit seinem Stahlgestell und handgeflochtenem Rattan tritt in Dialog mit dem Elogio Sofa von Tobia und Afra Scarpa, das fünfzig Jahre nach seiner Entstehung von Gubi neu aufgelegt wurde: dieselbe modulare Architektur von 1974, präzise Geometrien und Bezüge, bereichert durch die neuen Stoffe Reales und Fustagno. Zwei Objekte aus unterschiedlichen Zeiten existieren nebeneinander, als hätten sie immer schon zusammengehört.

Genau darin liegt die tiefere Bedeutung von Interior Reflections: ein Raum, in dem Oberflächen, Spiegelungen und Kontraste ineinandergreifen und die vielschichtige Komplexität des zeitgenössischen Wohnens sichtbar machen. Material wird zur Sprache. Das Sichtbare tritt in Dialog mit dem Reflektierten. Keine bloße Installation, sondern ein Blick auf das häusliche Interieur, der Aufmerksamkeit verlangt – und verdient.
Beim Verlassen der Via Macchi 82 bleibt das Gefühl, einen Ort durchquert zu haben, der etwas zu sagen hatte und es mit Zurückhaltung formulierte. Und eine Frage bleibt offen: In einer Branche, die unablässig Neues produziert – wie mutig und notwendig ist es, zu einem Entwurf von 1964 zurückzukehren, ihn zu studieren, zu respektieren und in die Gegenwart zu holen, ohne ihn zu verraten? Agnolis Rattan ist keine Nostalgie. Es beweist, dass manche Entwürfe bereits alles in sich tragen, was sie brauchen. Vielleicht besteht die Aufgabe des Designs nicht immer darin zu erfinden, sondern zu erkennen, was keiner Verbesserung bedarf – nur eines tieferen Verständnisses.